Mücken und Starrer

Ein Pillow Talk von Alex

23 Grad und Sonne. Das perfekte Wetter, um Laptop und Uni-Bücher mal wieder in den Park mitzunehmen. Nach Monaten, in denen ich größtenteils meine eigenen vier Wände angestarrt habe, genieße ich es draußen zu sein, ein bisschen Wind abzubekommen und ein paar Menschen um mich zu haben. Ganze 5 Minuten fühle ich mich entspannt und zufrieden – bis der Mann ein paar Meter weiter dann anfängt Fotos zu machen. Von mir.

Es gibt nur zwei Dinge, die ich am Sommer lästig finde: Mücken und Starrer. Der Typ hatte die ganze Zeit schon so auffällig zu mir rüber geguckt, dass ich irgendwann meine Sonnenbrille aufsetzte, um ihn zu beobachten. Als er dann echt sein Handy gezückt hat, bin ich aufgestanden und habe zusammengepackt. Starren allein ist schon schlimm genug. Fotos machen ist next level dreist.

Ich bin nicht sonderlich gut mit Konfrontationen und mache bei jeder Gelegenheit den größtmöglichen Bogen um Konflikte. Allgemein hat mir das im Leben viel Ruhe gebracht und Stress erspart. Aber manchmal habe ich mich im Anschluss geärgert. Es gibt Momente, in denen muss man einfach was sagen.

Die Situation im Park war so ein Moment. Das war vielleicht das erste Mal, dass ich bewusst und erhobenen Hauptes auf einen Mann zugesteuert bin und ihn zur Rede gestellt habe. Noch vor kurzem hätte ich mich das nicht getraut. Und wenn ich ehrlich bin, hat auch dieses Mal meine Stimme gezittert und ich habe mich nach Menschen umgesehen, die eingreifen könnten, wenn nötig.

Der Typ hat das Foto gelöscht. Ich bin geblieben und habe über seine Schulter geguckt, bis es verschwunden war. Und dann habe ich die Frauen, die noch in der Nähe lagen, auf ihn aufmerksam gemacht und vor ihm gewarnt. Falls auch nur ein Funken Scham in dem Kerl steckt, hat er diesen in dem Moment hoffentlich gespürt.

Es kann nicht sein, dass Frauen sich in öffentlichen Räumen immer wieder so unwohl fühlen, dass sie sich schließlich zurückziehen. Wir wollen in Ruhe im Park liegen, ungestört U-Bahn fahren und wie jeder andere am Arbeitsplatz geschätzt werden. Und dabei tragen, was wir wollen. Das ist nicht zu viel verlangt.

Ab jetzt möchte ich mehr auf Konfrontationskurs gehen, mich trauen, was zu sagen – beim Starren angefangen. Solche Vorfälle gehen nicht klar und sie werden sich nicht in Luft auflösen, wenn wir die Männer, die dahinterstecken, nicht immer wieder zur Rechenschaft ziehen. Im Nachhinein wird es sich so gut anfühlen, versprochen!

Also: Genießt den Sommer und konfrontiert alles, was sich nicht mit Mückenspray bekämpfen lässt! Aber: Passt dabei auf euch auf!

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