Gute Laune To Stay

Ein Pillow Talk von Paula.

Ich hätte nie gedacht, dass es mich so glücklich macht, Menschen an Tischen vor Cafés sitzen zu sehen. Menschen, die sich unterhalten. Menschen, die Kaffeetrinken und dabei ein Buch lesen. Kellner, die geschäftig umherlaufen. Große Eisbecher. Kleine Teller mit überteuerten Speisen. Die normalsten Dinge der Welt. Die sich nach Monaten des Lockdowns noch unwirklich anfühlen, wie ein Traum.

Dieser Winter kam mir endlos vor. Kalt. Dunkel. Und bedrückt. Wir haben Abstand gehalten, Kontakte gemieden. Auf der Straße sind wir im großen Bogen um jede Person ohne Maske rumgelaufen und haben kleine Grüppchen vorwurfsvoll angeschaut. Die Inzidenzen sind trotzdem nicht gesunken und nach und nach haben wir uns an die Eintönigkeit gewöhnt. Homeoffice, Hygienekonzepte, zwischendurch Spazierengehen.

Jetzt auf einmal wieder Essen gehen zu können und Freunde zu umarmen, fühlt sich noch unwirklich an. Wie eine tolle Idee, von der man sich noch nicht traut zu erzählen, voller Angst, die vorschnelle Freude könnte plötzlich verpuffen und sich in Nichts auflösen. 

Vor zwei Wochen, als in Hamburg die Cafés wieder ihren Außenbereich geöffnet haben, bin ich über die Schanze gelaufen und habe die Menschen beobachtet: Die Unsicherheit stand den meisten noch ins Gesicht geschrieben. Zwischendrin wurden immer wieder Hände desinfiziert. Begrüßungen waren häufig eine ungeschickte Mischung aus Umarmung und Ellbogen-Check. 

Trotzdem habe ich die Eindrücke in mich aufgesogen, als würde ich nach Luft schnappen, nachdem ich zu lange unter Wasser gewesen bin. Denn in den blassen Gesichtern war neben dem Frust der vergangenen Monate endlich Hoffnung zu sehen. Mit jedem Tag, den Außengastro und Geschäfte seitdem geöffnet sind, wird diese Hoffnung größer. Die Angst, dass es doch noch nicht vorbei ist, rückt immer weiter in den Hintergrund. Die Umarmungen zur Begrüßung werden mit jedem Tag länger. Selten wirkten die Menschen in Cafés und Restaurants so befreit von Alltagsproblemen und Stress, wie im Moment. Vielleicht weil ein Café-Besuch sich jetzt beinahe anfühlt wie Urlaub.

Vielleicht hatte diese ganze Pandemie auch etwas Gutes: Solch kleine Momente, wie ein Cappuchino im Café haben mich in den letzten Tagen so glücklich gemacht. Jedes Mal, dass ich ein Geschäft betreten habe, haben mich die Verkäufer*innen mit einem echten Lächeln begrüßt. Die Kellner*innen haben nicht abgenervt auf jede Nachfrage reagiert, sondern sich sichtlich gefreut. Darüber wieder echte Menschen bedienen zu dürfen. In die Gesichter der Gäste zu schauen, statt auf dem Display die Lieferando-Bestellungen zu sehen. Keine Frage, der To Go-Verkauf hat in den letzten Monaten und Wochen sein Bestes gegeben, uns trotzdem tolle Speisen zu servieren. Doch den Kaffee wieder aus einer richtigen Tasse vor meinem Lieblingscafé schlürfen zu dürfen, schmeckt besser als jeder Kaffee to go, den ich getrunken habe. 

Mit jedem Lachen, das über die Straße schallt, fällt ein Stück der Leere der letzten Monate von mir ab. Ich würde sagen, dass es mir nicht wirklich schlecht ging während des Lockdowns. Ich hatte meine fünf Freunde, die ich die ganze Zeit über getroffen habe, ich konnte weiterstudieren und habe niemanden durch Corona verloren. Und trotzdem merke ich jetzt, wie groß das Loch war, dass all diese kleinen unbeschwerten Momente hinterlassen haben, als sie plötzlich fehlten. Und ich merke, wie sich dieses Loch gierig vollsaugt, mit der Freude darüber, dass die Straßen, Cafés und das Lachen der Menschen vor meiner Tür wieder zum Leben erwachen.

Während ich mich durch die Menschengrüppchen auf der Schanze quetsche, schnappe ich einzelne Gesprächsfetzen auf: „Endlich kehrt wieder Normalität ein.“ Und ich nehme mir vor, all diese kleinen schönen Momente nicht mehr einfach als normal hinzunehmen. Vom Kaffee-Date mit der besten Freundin ins Kino mit den Unileuten zu hetzen, ohne den Tag als etwas Besonderes wahrzunehmen. Es mag nur ein Vorsatz sein, der ein paar Monate nach der Pandemie wieder in Vergessenheit gerät. Aber zumindest in diesem Sommer werden wir ganz viele Aktivitäten zum ersten Mal wieder machen.  Und meine Vorfreude auf all diese „Das erste Mal wieder“-Momente ist riesig.  Allein bei der Vorstellung das erste Mal wieder in einem Club zu tanzen, fange ich an zu strahlen. Wenn das nicht ein toller Sommer wird!

Schreib uns deinen besonderen After-Lockdown Moment in die Kommentare!

Ein Kommentar zu “Gute Laune To Stay

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