Kissenschlacht in Unterwäsche

Ein Pillow Talk von Paula.

Mit einem Augenzwinkern zu lesen – Don’t take it too serious!

Wer kennt es nicht? Du erzählst einem Freund oder auch nur einem beliebigen männlichen Wesen davon, dass am Wochenende Mädelsabend angesagt ist. Und er reagiert mit einem anzüglichen: „Uh, schick mir Fotos, wenn ihr ‘ne Kissenschlacht in Unterwäsche macht.“ Sexismus hin oder her – ich schmunzele bei derlei Aussagen jedes Mal, weil ich weiß, wie weit die Nächte mit meinen Girls von fliegenden Federn und Spitzenunterwäsche entfernt sind. Nur den Prosecco gibt’s wirklich!  Ich find’s ungerecht den Teil der Bevölkerung, der ein Viertel-Chromosom weniger hat, in dem Irrglauben zu lassen, Mädelsabende wären eine Mischung aus softem Lesbenporno und Gossip Girl. Deswegen folgt hier möglicherweise eine kleine Desillusionierung.

Der letzte Abend mit meinen Mädels ist erst eine Woche her, deswegen hab‘ ich das Bild noch so gut vor Augen: Dreckige WG-Küche (auf dem Tisch war vor lauter schmutzigem Geschirr kaum Platz für die Weingläser). Eine mit fettigeren Haaren und bequemeren Leggins als die andere. Und für’s Klischee: Rosé-Sekt. Ich denke, die Beschreibung reicht, um ein Bild vor Augen zu haben, das nicht gerade an die Bachelorette-Villa und deren Bewohnerinnern erinnert. Da habe ich zumindest noch keine der Anwärterinnen rülpsen gehört.

Einige der Klischees über Mädelsabende haben ihre Berechtigung: Wir reden tatsächlich viel über Männer und Sex – bis ins letzte Detail. Allerdings sitzen wir nicht mit einem Spiegel zwischen den Beinen im Kreis und schauen unsere Vulven an. Nope, es geht um den abnormal guten Sex, den wir vor kurzem hatten, um den schönen Penis von dem Typen, mit dem wir im letzten Urlaub geschlafen haben und um den Scheidenpilz, den wir danach hatten. Meine Mädelsabende zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass es keine Tabuthemen gibt und da sind veränderte PH-Werte noch harmlos.

Wir reden aber nicht nur über Männer, sondern auch über Männerthemen. Politik, Wirtschaft und haltet euch fest: Beim letzten Mal ging‘s sogar um Aktien. Ehrlicherweise: Bezüglich der Aktien haben wir uns nur darauf geeinigt, dass wir viel zu wenig Ahnung davon haben und es dringend Zeit wird, sich darüber zu informieren. Aber es war ein erster Schritt, damit wir vor der nächsten Kissenschlacht, die Bezüge mit Geldscheinen füllen können.

Über den nächsten Punkt werden sich einige leicht zu erregende Leser vielleicht freuen: Wir fassen uns tatsächlich an! Aber nicht gegenseitig, sondern uns selbst. Nein, nicht so wie ihr jetzt denkt: Die eine von uns chillt gerne mit der Hand zwischen den Beinen, die andere knetet beim Nachdenken ihre Brüste. Und glaubt mir, das sieht noch unsexier aus, als es klingt. Eher nach Bauarbeiter in der S-Bahn und Bäckersfrau beim Teigkneten als nach Lesbenporno.  

An der Vorstellung „Kissenschlacht in Unterwäsche“ ist übrigens schon die Unterwäsche falsch – wer trägt denn zu `ner gemütlichen Nacht mit den Mädels nen BH? Die landen spätestens nach dem ersten Wein irgendwo im Zimmer verstreut. 

Wozu so viel Ironie? Ich glaube nicht, dass irgendjemand in meinem Umfeld wirklich denkt, meine Freundinnen und ich würden uns Woche für Woche treffen, um einen Softporno nachzuspielen. Mein Freund hätte sich lange gewundert, wieso ich bei so viel Übung nicht bessere Kissenschlacht-Skills habe. Die Kissenschlacht in Unterwäsche ist ein Gag, basierend auf einem sexualisierten Frauenbild. Meine Absicht ist nicht, dass sämtliche Männer diesen Joke aus ihrem Wortschatz streichen. Ich würde mir lediglich folgendes wünschen:

  1. Überlegt, wann und bei wem der Joke angebracht ist. Manche Frauen fühlen sich durch solche Anmachsprüche unwohl! Nicht jede*r redet gerne über das, was er oder sie im Bett so treibt und da können auch Anspielungen unangenehm sein. Einfach ein bisschen sensibel sein für die Grenzen anderer Menschen sein (das gilt natürlich nicht nur für Frauen!). 
  2. Für die Meisten ist die Kissenschlacht in Dessous nur ein dummer Joke. Doch Sprache hat einen enormen Einfluss auf unsere Meinung von anderen und uns selbst. Wenn ich also über Frauen ständig derlei Kommentare mache, nehme ich Frauen viel eher als Sexualobjekte wahr. Nachdem ihr euer Kopfkino ausgelebt hast, liebe Männer, fragt eure Freundinnen vielleicht mal, in welche Aktien sie investiert haben. Spaß beiseite: Hinterfragt eure eigenen Vorurteile. Denn hinter jedem Witz steckt ein Fünkchen Wahrheit und wenn diese Wahrheit sexistisch ist, ist es wichtig, sich das bewusst zu machen und sie zu überdenken.
  3. Für jedes Mal, „Schick nen Foto, wenn ihr ’ne Kissenschlacht in Unterwäsche macht“-Sagen, spendet eine Flasche Prosecco für einen Mädelsabend.. 😉

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