Pause machen

Ein Pillow Talk von Alex

Ich bin im Urlaub. Zum ersten Mal seit dem viel zu langen Corona-Winter habe ich mit gepacktem Rucksack eine Grenze überquert. Und dabei gemerkt, wie wichtig es doch ist: Abstand zu nehmen. Pause zu machen.

In einer Welt, in der wir ständig damit konfrontiert werden, wie und ob wir Karriere machen, kann es schnell vorkommen, dass wir den Fokus verlieren. Den Fokus auf unsere Gesundheit, physisch und mental. Auf die Menschen um uns herum. Auf unsere Leidenschaften und die Dinge, die uns wirklich Spaß machen.

„No days off is not a flex”, habe ich neulich erst irgendwo auf Instagram gelesen und für goldrichtig empfunden. Ich kann mich nur schwer in das Leben eines erfolgreichen Bankers hineinversetzen, der das Gefühl hat, er könne sich nicht all seine Urlaubstage nehmen, sonst bleibt die Welt stehen. Und bestimmt erfüllt er eine wichtige Funktion und hält Dinge am Laufen, aber die Wahrheit ist und bleibt: Die Welt bleibt nicht stehen. Ganz im Gegenteil. Wer einmal länger Abstand hält, wird merken, es klappt auch ohne sie*ihn.

Ich will hier niemandem zum „Aussteigen“ motivieren (nur ein bisschen vielleicht). Aber wenn wir schon alle ein Rädchen im System Kapitalismus sein müssen, dann bitte nur mit Grenzen. Klar, die meisten von uns können nicht aufs Geld scheißen und auch in den Urlaub fahren zu können, ist ein Privileg, das leider nicht allen gewährt ist. Doch es geht mir hier nicht darum, möglichst weit und lange weg zu sein.

Der Punkt ist eher, überhaupt mal rauszukommen. Aus der stressigen Stadt oder dem Dorf, das sich zu klein anfühlt. Tapetenwechsel. Auf neue Gedanken kommen oder die alten endlich einmal zu Ende denken. Zeit für sich selbst haben. Herausfinden, was guttut. Entscheidungen hinterfragen und treffen. Ins Grüne, statt ins Graue zu gucken. Sich ein anderes Leben zu erträumen. Oder zu merken, wie sehr man an dem jetzigen hängt.

Abschalten fällt mir – wie vielen anderen auch – meist nicht so leicht. Meine Bachelorarbeit sitzt mir im Nacken und die Frist für die Masterbewerbungen rückt immer näher. Wenn ich frustriert zuhause vor einem leeren Word Dokument sitze und mir ausmale, was alles passieren würde, wenn ich nicht rechtzeitig abgebe, fallen mir tausend Sachen ein: Meine Eltern wären nicht begeistert. Ich würde länger studieren und später Geld verdienen. Sieht bestimmt nicht so gut aus auf dem Lebenslauf. Andere in meinem Alter sind längst weiter. Blablabla.

Nur dadurch, dass ich mit Abstand auf die Situation gucken kann, erkenne ich die Verhältnisse: Im Großen und Ganzen ist das alles ziemlich irrelevant. Der kurze Ausbruch aus dem Alltag hilft mir, zu realisieren: Es wird nichts Schlimmes passieren. Im Worst-Case-Szenario studiere ich länger. Ich wage es zu behaupten, dass schon Tragischeres passiert ist.

Alles, was ich will, ist, dass wir alle ab und zu rauszoomen und das große Bild betrachten. Sind wir noch bei Kräften? Was kann warten? Was raubt uns Energie? Sicher, dass kein Urlaubstag drin ist? Ganz sicher?

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