Wem du in jedem Hostel begegnest

Ein Pillow Talk von Paula.

Disclaimer: Enthält Ironie. Take it with a smile! 🙂

Ich war endlich wieder allein reisen. Eine Woche lang im alternativ angehauchten Yoga-Surf-Camp auf Teneriffa. Damit ist schon vorweggenommen, dass ich nicht wirklich allein war: Ich habe viele dieser interessanten Menschen getroffen, die man beim Reisen halt so trifft. 

Mehr oder weniger allein auf Reisen – das ist dieses Lebensgefühl von alternativ-sein, „anders als die Anderen“. Doch so unterschiedlich jeder „Weg zu sich selbst“ aussieht, es gibt Typen von Alleinreisenden, die ich bisher in jedem Hostel getroffen habe: 

  1. Die Yoga-Tante:

Seit sie in Indien in der Yoga-Schule war, klingt ihre sanfte Stimme wie Gesang und ihre fließenden Bewegungen erinnern beinahe an Ausdruckstanz. Sie wirkt so bedacht und ausgeglichen, dass man nicht anders kann, als die eigene Dauer-Gestresstheit zu hinterfragen. Auch wenn sie gerne belächelt wird, ist sie für viele eine Inspiration, sich mit den Energien des Universums auseinanderzusetzen. Mit Räucherstäbchen und ätherischen Ölen vertreibt sie jeden Anflug von schlechten Vibes aus dem Hostel. 

2. Der Deutsche

Er ist nur aus Versehen unter den „Travelern“ gelandet: Das Hostel hat er gebucht, weil es günstig war und er sein Geld lieber fürs Saufen ausgeben wollte. Manches, was im „Shared Dorm“ erzählt wird, findet er aber doch ganz inspirierend. Als er aus Neugier beim Yoga mitmacht, überlegt er sich, beim nächsten Mal vielleicht nicht mit den Jungs nach Malle zu fliegen, sondern mal die Flugpreise nach Kolumbien auszuchecken. Wenn im Hostel Party angesagt ist, kann die Gruppe sich aber weiterhin auf ihn verlassen: Bevor das Bier nicht unter die Leute gebracht ist, geht er nicht schlafen.

3. Der*Die Planer*in

Direkt nach der Ankunft werden Mietwagen und Landkarte organisiert. Und schon kann es losgehen mit dem Pläne-schmieden. So mancher Hostelgast wird ihm*ihr später noch dankbar sein, sich nach der Surfstunde und dem Ausflug zum Wasserfall, noch zu einer nächtlichen Vulkan-Wanderung überredet haben zu lassen. Denn seien wir mal ehrlich: Ohne diese eine leicht übermotivierte Person hätte die Gruppe nur halb so viele tolle Urlaubsfotos für Instagram.

4. Lisa

Lisa hat letzes Jahr Abi gemacht und war dann in Australien. Dieses halbe Jahr, in dem sie gesehen hat, was das Leben außerhalb von Paderborn alles bietet, hat sie inspiriert, das Traveln nun zur Lebensaufgabe zu machen. In Europa macht sie nur Zwischenstopp, bis die Pandemie sich wieder beruhigt. Die anderen Hostelgäste werfen sich ein verstohlenes Grinsen zu, wenn ihr ein deutsches Wort wieder mal nicht einfällt, weil sie nur noch Englisch gewohnt ist. Aufgrund ihres Alters wird Lisa vom Rest der Truppe oft ein bisschen belächelt. Das ändert nichts daran, dass ihre aufgeschlossene Art eine Bereicherung für jede Gruppe ist.

Ich gebe mir auf Reisen größte Mühe keines dieser Klischees zu erfüllen, aber der Blick in den ungeputzten Hostel-Spiegel ordnet mich dann doch einer Gruppe zu:

5. Der Teilzeit-Hippie

Ich bin nicht im Urlaub hier, sondern „auf Reisen“. Das ist wichtig, denn „Reisen“ macht einen Teil meiner Identität aus. Ob Makramé-Bändchen flechten oder Raw-Vegan-Balls zubereiten – ich bin mit jedem Workshop zu begeistern, der zu diesem Image passt. In Gespräche mit anderen „Travelern“ lasse ich gerne Anekdoten von meinen Lateinamerika-Reisen einfließen und warne dabei immer vor Orten, die mir „zu touristisch“ waren. Abends am Lagerfeuer philosophiere ich gerne darüber, wie wenig Mensch doch zum Leben braucht. Als ich auf dem Rückflug mein Mac-Book aus dem vollen Rucksack auspacke und Netflix aufrufe, bin ich allerdings ganz froh, nicht nur das Nötigste zu besitzen.

Wozu so viel Ironie? „Sich selbst finden zu wollen“ ist wohl eine Lebensaufgaben der Meisten. Auf Reisen nehmen wir das oft ernster als im Alltag, doch sobald wir uns in einer Gruppe wiederfinden, dauert es nur einige Minuten, bis wir wieder eine bestimmte Rolle annehmen. Im Urlaub ist das gerne mal eine andere als Zuhause. Das ist gut so. Um uns auszuprobieren, uns Neues zu trauen. Und es zeigt, wie groß, die Frage nach „uns selbst“ wirklich ist. Vielleicht versteckt „ich selbst“ sich genau zwischen meinen Rollen Zuhause und meinen Urlaubs-Rollen. Welche Reise mich dahinbringen wird – „I’m sooo excited to find that out“, wie Lisa sagen würde.

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