Support von Außen

Ein Pillow Talk von Alex

Pride Month ist vorbei und mein Nachbar von Gegenüber hat allen Ernstes die Regenbogenfahne an seinem Balkon wieder gegen die seines Lieblingsfußballvereins eingetauscht. Naja, das war immer noch besser als nichts, denke ich mir.

Ich bin eine weiße, heterosexuelle Cis-Frau aus einem finanziell stabilen Akademiker*innen-Haushalt. Keine Einschränkungen. Keine Erkrankungen. Die Liste meiner Privilegien zieht sich vielleicht nicht ins Unendliche, aber die paar Steine auf meinem Weg sind definitiv eher Kiesel als Felsen. Erst seit ein paar Jahren lerne ich zu begreifen, dass wir es nicht alle gleich leicht bzw. schwer in dieser Gesellschaft haben. Wir fangen nicht alle bei 0 an, sondern manche mit Vorsprung von +7 und andere leider bei -20. Erstere kämpfen dann mit der Karriereleiter, letztere zusätzlich um Anerkennung oder überhaupt das Recht auf Leben. Was es bedeutet, bei -20 beginnen zu müssen, werde ich mit meinem kleinen Vorsprung also nie verstehen können.

Sich auf dieser Tatsache auszuruhen, ist meiner Meinung nach eher schwer moralisch vertretbar. Auch wer als privilegierte Person nicht viel Reichweite oder Macht hat, hat immer die Möglichkeit Zustände zu verbessern. Klar, eine Gesellschaft ändert sich auch durch Beschlüsse von oben, durch Gesetzesänderungen und neue Richtlinien. Aber Normen und Werte, die unsere Gemeinschaft wirklich ausmachen, können gerade von unten hinterfragt und erneuert werden. In unserem Umfeld haben wir alle die Möglichkeit, Denkanstöße zu geben, aufzuklären und somit etwas zu bewirken.

Im Pride Kontext bedeutet das zum Beispiel:

Dich als Ally erkennen zu geben. Deinem Dad zu erklären, warum überall diese Regenbogenfahnen hängen und deinen Großeltern zu sagen, dass das Paar von nebenan sich nicht „brüderlich“ liebt, weil es sich um zwei Männer handelt. Bei Vorstellungsrunden deine Pronomen anzugeben, um zu normalisieren, dass diese nicht einfach erraten werden sollten. Geschlechtsneutrale Bezeichnungen z.B. für Berufe etc. verwenden, ansonsten das * nicht vergessen. Keine Unternehmen, Parteien und Personen zu unterstützen, die der LGBTQIA+ Community feindlich gegenüberstehen. Deine eigenen Vorurteile erkennen und kritisieren. Dich weiterzubilden und einzusehen, dass du lange nicht genug über das Thema weißt. Auf Sozialen Netzwerken aufklärende Inhalte zu teilen. Und vor allem: die Menschen aus der Community zu Wort kommen zu lassen, zuzuhören und zu akzeptieren, dass du als Außenstehende*r gar nicht denselben Struggle fühlen KANNST. (Falls also eine LGBTQIA+ Person Lust hat für einen Blogbeitrag mit uns in Kontakt zu treten – wir würden uns freuen!)

Diese Liste ist natürlich alles andere als vollständig und vieles davon kommt mir wie eine Kleinigkeit vor. Ich bin mitten im Lernprozess und nur nach und nach merke ich: Oh das könnte noch hilfreich sein! Aber besser im Prozess als gar nicht dabei. Hauptsache jede*r supportet mit ihren*seinen besten Mitteln, oder?

Lasst uns die Liste verlängern! Was macht eine*n gute*n Ally noch aus?

Kommentare:

  1. Obschon sich dieser Beitrag doch dafür einsetzt, mit einem gewissen sexuellen Klischees aufzuräumen bzw. dieses greifbarer darzustellen, nämlich der von…

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