Weltschmerz

Ein Pillow Talk von Alex

Die letzten Wochen waren wieder heftig. Genau genommen passieren ja leider jede Woche unglaublich schreckliche Dinge weltweit, doch ab und zu ergreifen uns die Geschehnisse eben besonders. Dann gehen Bilder um die Welt und das Schicksal betroffener Menschen geht uns nah. Da gucken wir Nachrichten, fühlen uns hilflos, weinen vielleicht. Da sind wir verständnislos dafür, wie wir in unserer heilen Bubble nahezu ungestört leben können, wenn außerhalb alles zerfällt.

Weltschmerz.

Wann immer ich mich länger mit einem bestimmten Thema beschäftige, Ungleichheiten und profitgesteuerte Entscheidungen erkenne, überwältigt mich irgendwann die Fassungslosigkeit. Damit bin ich nicht allein. Gespräche über all das, was derzeit schiefläuft, scheinen in meinem Umfeld ständig auf der Tagesordnung zu stehen. Dann wird von einem Thema ins nächste übergegangen, der einen fällt noch eine Verbindung von a zu x ein und am Ende merken wir nur schockiert, wie alles miteinander zusammenhängt. Dass man, um x zu verändern, auch a anpacken müsste. Dass es einen so gravierenden Wandel bedarf, um auch nur annähernd etwas zu verbessern. Und dann irgendwann nur wieder die Erkenntnis, dass einfach nichts so richtig passiert. Dass insbesondere die Politik erst dann reagiert, wenn es eigentlich schon zu spät ist. Stichwort Afghanistan, Stichwort Klimakrise, um nur zwei aktuelle Beispiele zu nennen.

Je mehr ich hinterfrage und mich informiere, desto düsterer wird mein Weltbild. Dann schalte ich tagelang die Nachrichten ab und lese weniger aufmerksam die Info-Posts auf Instagram. Freund*innen gehen in Therapie, um mit der Last umgehen zu können. Ich schalte ab, gehe auf Abstand, denke das ist mal gesund.

Aber wie viel Abstand macht uns blind?

Natürlich kann man sich dazu entscheiden, keine Nachrichten zu schauen. Nichts an sich heranzulassen. Und für einige ist das sicherlich die einzige Möglichkeit, die eigene mentale Gesundheit zu priorisieren. Das möchte ich auf keinen Fall verurteilen. Doch all die, die wie ich verhältnismäßig „klarkommen“, verschließen hoffentlich nicht gänzlich die Augen.

Nur wenn wir etwas an uns heranlassen und uns eines Schicksals bewusstwerden, können wir mit anderen mitfühlen. Wir werden nicht 1:1 verstehen, wie es ist, derzeit in einem Krisengebiet überleben zu müssen. Aber das Mindeste, was wir für Betroffene – egal welcher Krise – tun können, ist, uns den Geschichten anzunehmen und im besten Fall aktiv werden. Aus dieser Perspektive ist Weltschmerz eigentlich ein Privileg. Wir sind nicht direkt betroffen. Wir können aus unserem warmen, sicheren Zuhause am Laptop Petitionen unterschreiben und mit einem Klick Spenden auf den Weg schicken.

Ungerechtigkeiten müssen erkannt und Kritik geäußert werden. Darauf beruht unser demokratisches System. Einmal bitte die Augen öffnen, schauen, was alles schiefläuft und dann nicht darauf vertrauen, dass die Leute, die in der Vergangenheit falsche Entscheidungen getroffen haben, in Zukunft alles zum Besseren wenden werden. Am 26.09. minimalen Weltschmerz wählen. Wird uns allen guttun.

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