El Arte no se valora

Ich bin für eine Weile in Costa Rica und helfe hier in einem Zirkusprojekt. Wieso, weshalb, warum ist für die allermeisten wohl weniger interessant, deswegen skippe ich diesen Part und komme direkt zum Thema dieser Kolumne: Kunst. 

Während ich in meiner Bubble zuhause vor allem mit Menschen zu tun habe, die studieren oder in einem Ausbildungsberuf arbeiten, bin ich hier täglich umgeben von Künstler*innen:

Mono, der wenn die Ampel auf Rot springt, mit seinem Einrad und seinen Jonglage-Keulen in die Mitte der Kreuzung tänzelt und sich damit ein paar Colones verdient. 

Felipe und Pablo, die mit ihrer Band beinahe täglich proben für ihre Auftritte in Restaurants und Strandbars. 

José, der hauptberuflich Clown ist und für seine Shows durch das ganze Land reist. 

Und natürlich die Jungs vom Zirkus, die mich immer wieder die Luft anhalten lassen beim Anblick der waghalsigen Salti, Pyramiden und Flick Flacks. 

All diese Menschen leben für ihre Kunst, widmen ihr jede freie Minute. In meinem Freundeskreis zuhause fallen mir kaum Menschen ein, die mit einer vergleichbaren Leidenschaft ihrem Studium bzw. Job nachgehen. Im Gegenteil – die einen meckern über langweilige Vorlesungen, die anderen über unbezahlte Überstunden. Mich selbst kann ich da nicht ausnehmen. Zwar hat mir mein Studium Spaß gemacht und auch meine Jobs habe ich nach Interesse ausgewählt, doch ob ich von Leidenschaft sprechen würde? Ich weiß nicht. 

Leider ist Leidenschaft allein nicht genug. „El arte no se valora“, sagte José, der Clown vor einigen Tagen zu mir. „Die Kunst wird nicht wertgeschätzt.“ Damit hat er recht. Zum einen, ist es wirklich schwer, von der Kunst zu leben. Zum anderen ist Künstler*in vor allem in Deutschland keine Berufung, die wertgeschätzt, sondern eher belächelt wird. „Das ist doch kein richtiger Beruf“ würden meine Eltern die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn ich verkünden würde, mich von nun an Vollzeit der Akrobatik widmen zu wollen. Sich mit einem künstlerischen Beruf, den Lebensunterhalt zu verdienen, mag eine Herausforderung sein. Aber der Wert oder gar die Berechtigung eines Berufs sollte doch nicht am Gehalt festgemacht werden. 

Wir brauchen die Kunst. Wir brauchen Menschen, die dem Ambiente eines Barabends, die richtigen Klänge verleihen. Wir brauchen Menschen, die ihre Gedanken in Texte fassen, in denen wir uns wiederfinden können. Wir brauchen Menschen, die uns am Straßenrand mit ihren Kunststücken faszinieren und damit etwas Zauber in unseren Alltag bringen. Sicherlich, unser Alltag würde auch ohne Kunst funktionieren. Denn Kunst ist nicht effektiv. Im Gegenteil: Kunst existiert lediglich für ihre eigene Magie. Und genau deshalb brauchen wir sie. 

Lasst uns der Kunst und ihren Künstler*innen den Respekt entgegenbringen, den sie verdienen. Es ist schön, wenn dieser Respekt sich auch in ein paar Münzen im Hut einer Straßenkünstlerin widerspiegelt, damit Menschen von ihrer Leidenschaft leben können. Noch viel wichtiger aber ist es, Künstler*innen das innere Lächeln, das sie in uns hervorrufen, auch sehen zu lassen. El arte valora!

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