Kissenschlacht in Unterwäsche

s nicht? Du erzählst einem Freund oder auch nur einem beliebigen männlichen Wesen davon, dass am Wochenende Mädelsabend angesagt ist. Und er reagiert mit einem anzüglichen: „Uh, schick mir Fotos, wenn ihr ‘ne Kissenschlacht in Unterwäsche macht.“ Sexismus hin oder her – ich schmunzele bei derlei Aussagen jedes Mal, weil ich weiß, wie weit die Nächte mit meinen Girls von fliegenden Federn und Spitzenunterwäsche entfernt sind. Deswegen folgt hier möglicherweise eine kleine Desillusionierung.

Anti-Produktivitätswahn

Im ersten Lockdown gingen gefühlt gleichzeitig mit den Corona-Fällen die Anzahl der Motivations-Posts in die Höhe. „Jetzt hast du die Zeit, deine Projekte zu verwirklichen und all das zu tun, was du vorher nie geschafft hast.“ Blabla. Ah okay, das war jetzt das Jahr, in dem ich mich verwirklichen sollte? Schade, hat leider nicht so wirklich funktioniert. Der Roman, den ich seitdem schreiben will, ist noch nicht länger als eine Seite. Der Produktivitätswahn hat bei mir nichts anderes ausgelöst als Druck.

Gute Laune To Stay

Ich hätte nie gedacht, dass es mich so glücklich macht, Menschen an Tischen vor Cafés sitzen zu sehen. Menschen, die sich unterhalten. Menschen, die Kaffeetrinken und dabei ein Buch lesen. Kellner, die geschäftig umherlaufen. Große Eisbecher. Kleine Teller mit überteuerten Speisen. Die normalsten Dinge der Welt. Die sich nach Monaten des Lockdowns noch unwirklich anfühlen, wie ein Traum.

Mücken und Starrer

23 Grad und Sonne. Das perfekte Wetter, um Laptop und Uni-Bücher mal wieder in den Park mitzunehmen. Nach Monaten, in denen ich größtenteils meine eigenen vier Wände angestarrt habe, genieße ich es draußen zu sein, ein bisschen Wind abzubekommen und ein paar Menschen um mich zu haben. Ganze 5 Minuten fühle ich mich entspannt und zufrieden – bis der Mann ein paar Meter weiter dann anfängt Fotos zu machen. Von mir.

Talk Dirty to Me

„Dreckige Schlampe. Billiges Flittchen.” Niemals würde ich so respektlos mit mir reden lassen. Respekt ist für mich das A&O in Beziehungen. In Freundschaften. Beim Sex. Vielleicht weil eine gesunde Selbstachtung meines Erachtens damit einhergeht, dass man auch von seinen Mitmenschen erwartet, mit Respekt behandelt zu werden. Allerdings mit einer Ausnahme. Es gibt Momente, in denen Respektlosigkeit verführerisch ist. Wehrlosigkeit erotisch.

Ich rede von kleinen Machtspielchen beim Sex. Manchmal habe ich mich danach schlecht gefühlt. Ich habe mich gefragt, ob mein Respekt vor mir selbst, vielleicht doch nicht so groß ist, wie ich immer dachte. Selbstliebe und Erniedrigung?! Emanzipiert sein und in die unterwürfige Rolle schlüpfen?! Wie geht das zusammen?

Alle werden Bock haben

„Bin nur kurz was zu trinken holen“, schreie ich meiner Freundin ins Ohr. Sie schaut mich fragend an und ich deute auf die Bar. Als Antwort bekomme ich ein kurzes Nicken, dann schließt sie wieder ihre Augen und findet im Nu zurück in den Takt. Ausnahmsweise ist die Musik heute mal wirklich gut hier.

Radikalisiert euch!

Bei diesem Ausruf erscheinen vor meinem inneren Auge steineschmeißende Demonstrant*innen, Bengalos oder gar Salafist*innen mit Sprengstoffgürtel. Doch wenn ich hier von „radikalisieren“ rede, dann meine ich etwas anderes: Radikal kommt von radix aus dem Lateinischen. Das bedeutet Wurzel. Man kann „radikal“ nicht nur mit „rücksichtslos“ , sondern auch „vollständig“ oder „gründlich“ übersetzen. Von diesem Wortursprung ausgehend, ist eine radikale Position also eine, die ein Problem von Grund auf betrachtet. Es von der Wurzel aus angeht. Also erneut: „Radikalisiert euch!“

Schmale Auswahl

Der mit Abstand anspruchsloseste Job, in dem ich je gearbeitet habe, war als Passform-Model. Knappe 3 Wochen lang wurden an meinem Körper Schnitte einzelner Kleidungsstücke der Größe 36 angepasst, während ich dafür bezahlt wurde, dazustehen und meine Arme von mir zu strecken. Nach einiger Zeit wunderte ich mich, wann denn die Passform-Models für alle anderen Größen kommen würden. Sie kamen nicht. Es gab sie gar nicht. „36 ist die Norm und alles darüber machen wir eben größer. Da wird nix angepasst“, sagte eine Kollegin.

Mojito-Feminismus

Noch zwei Möchtegern-Influencerinnen, die sich Feminismus in ihre Insta-Bio schreiben.

Es hat diverse feministische Bücher und Insta-Accounts gebraucht, bis ich realisiert habe, was für ein absurdes Rollentheater Sex oft ist und dass auch ich meine (sexuellen) Bedürfnisse entsprechenden Erwartungen untergeordnet habe. Doch wenn ich ehrlich bin, ist es für mich immer noch normaler, wenn ich nicht zum Orgasmus komme, als wenn „ich ihn nicht zum Ende bringe“.  Sage ich manchmal nicht direkt, wenn eine Stellung unangenehm für mich ist. Spiele ich gerne mit meinen sexuellen Reizen, aber achte immer auch darauf, nicht schlampig zu wirken.