El Arte no se valora

Ich bin für eine Weile in Costa Rica und helfe hier in einem Zirkusprojekt. Wieso, weshalb, warum ist für die allermeisten wohl weniger interessant, deswegen skippe ich diesen Part und komme direkt zum Thema dieser Kolumne: Kunst. 

Während ich in meiner Bubble zuhause vor allem mit Menschen zu tun habe, die studieren oder in einem Ausbildungsberuf arbeiten, bin ich hier täglich umgeben von Künstler*innen:

Mono, der wenn die Ampel auf Rot springt, mit seinem Einrad und seinen Jonglage-Keulen in die Mitte der Kreuzung tänzelt und sich damit ein paar Colones verdient. …

Quality Time

„Wenn ich meine Termine nicht nach seinem Kalender richten würde, würden wir uns gar nicht mehr sehen“, beschwerte sich letzte Woche eine Arbeitskollegin bei mir. Ihr Freund sei momentan so in seine Arbeit vertieft sei, dass die gemeinsame Zeit viel zu kurz kommen würde. „Und gleichzeitig fühle ich mich total anhänglich, wenn ich ihn bitte, sich mehr Zeit zu nehmen. Als würde ich klammern.“

Kommt euch bekannt vor? Mir schon: In meinem Freundeskreis, in meinen eigenen Beziehungen und in Büchern ist mir die dahinterliegende Frage schon häufig begegnet: Warum haben Er und Sie* oft unterschiedliche Vorstellungen davon, wie viel Quality Time zu zweit eine glückliche Beziehung braucht?

Traumberuf Allesarbeiterin

Als ich etwa neun Jahre alt war, hieß mein Lieblingsspiel „Allesarbeiterinnen“. Die Spielregeln waren einfach: Meine beste Freundin und ich saßen in unserem Büro (mein Kinderschreibtisch) und empfingen Anrufe auf dem alten Schnurtelefon meiner Großmutter. Die Anrufer*innen waren Auftraggeber, die uns zufälligerweise immer genau den Job vorschlugen, zu dem wir gerade Lust hatten. So schrieben wir Artikel für wichtige Zeitungen, organisierten große Events, setzten uns für den Tierschutz ein. Warum für einen Beruf entscheiden, wenn wir alles sein konnten?
Masterstudiengängen auseinandersetze. Die Bachelorarbeit in Psychologie nun endlich abgegeben, stellt sich erneut die große Frage „Was will ich eigentlich werden?“ 

Vor(schnelle) Urteile

Ich habe Vorurteile. Ja, richtig gelesen.
Und das, obwohl ich viele meiner Texte schreibe, um Statements gegen Rassismus oder Sexismus zu setzen. Um Vorurteile zu überholen.Wie es sein kann, dass ich trotzdem Vorurteile habe?

Meine letzte Reise hat mich nach Marokko geführt. Ich war schon öfters außerhalb von Europa, doch es war das erste Mal, dass ich in einem arabischen Land unterwegs war. Da der Trip relativ spontan war, habe ich mir wenig Gedanken darüber gemacht, was mich erwarten würde. Wenn ich Freund*innen und Familienmitgliedern erzählte, dass ich nach Marokko reisen würde, hörte ich Sätze wie

„Mit dir als Frau wird niemand sprechen. Stell dich schon einmal darauf ein, dass dein Freund gefragt wird, was du essen möchtest.“

Tagelose Tage

Vor zwei Monaten blieb meine Periode plötzlich aus. Seit ich mit der Hormonspirale verhüte, kommen meine Tage gerne mal etwas unregelmäßig, deshalb beunruhigten mich die sauberen Unterhosen zunächst nicht allzu sehr. Außerdem hatte meine Frauenärztin mir erklärt, dass bei vielen Frauen mit Hormonspirale die Regelblutung nach einiger Zeit ganz ausbleibt. Nach 40 tagelosen Tagen machte ich sicherheitshalber doch einen Schwangerschaftstest. Wie erwartet – negativ.

Ich machte mir keine Sorgen mehr, schwanger zu sein, doch etwas, das ich zunächst nicht in Worte fassen konnte, verunsicherte mich weiterhin…

Chaos

Manchmal fühlt sich mein Leben an, als würde ich beim Autofahren die Augen zumachen und einfach hoffen, dass ich keinen größeren Unfall baue. 

Manchmal wäre ich gerne einer dieser gut sortierten, geordneten Menschen, bei denen Pläne so laufen, wie sie mal gedacht waren. Die Tage eine Struktur haben und die Wohnungen aufgeräumt sind. Bei denen alles seinen Platz hat. Einer dieser Menschen, die ihre To Do Listen nicht nur schreiben, sondern tatsächlich abarbeiten.

La Pura Vida

Das Leben einfach fließen lassen und den Dingen nachgehen die im Alltag auf der Strecke bleiben. Yoga, Meditation, Kunst, Bücher lesen, Me-Time und Quality-Time mit meinem Partner. So stellte ich es mir vor. „Das pure Leben“. Seit Anfang des Jahres träumten mein Freund und ich davon, gemeinsam auf große Europareise zu gehen. Um genau zu sein – zu fahren, denn wir beide steckten eine Menge Zeit, Liebe und Energie in einen Mercedes Sprinter und ackerten uns ein halbes Jahr lang den Arsch wund, um im Sommer das beliebt gewordene „VANLIFE“ leben zu können. Dabei bewegten wir uns zwischen euphorisierenden Erfolgserlebnissen und niederschmetternden Rückschlägen. Die Zeit war geprägt von Tränen der Freude und manchmal auch von Tränen der Überforderung. Im Juli war es dann endlich soweit. Aus einem Sprinter wurde ein Zuhause. Wir ließen Familie, Freund*innen und Routinen hinter uns und stürzten uns ins Abenteuer. 

Niemand steht auf Arschlöcher

„Ich suche mir immer Typen, die sich wie Arschlöcher verhalten.“ Erst neulich habe ich mit einer Freundin wieder ewig lange Sprachnachrichten ausgetauscht, weil sie frustriert von ihrem eigenen Männer-Geschmack war. Flirten, Aufmerksamkeit und Komplimente entgegengebracht bekommen – bis Frau sich traut, echtes Interesse zu zeigen. Plötzlich wie ein altes, abgenutztes Spielzeug mit Missachtung gestraft werden. Dann Selbstzweifel und auf Nachrichten von ihm warten. Hier und da mal wieder ein Häppchen Zuwendung zugeworfen bekommen, damit Frau das Interesse nicht verliert, ihm weiter hinterherrennt und er sich bestätigt fühlt. Arschloch! 

Amazon – Günstig um jeden Preis

wieder mal nicht rechtzeitig um Papas Geburtstagsgeschenk gekümmert habe, rede ich mir ein, dass es ein Notfall ist und bestelle erleichtert ein Buch, das noch am nächsten Tag ankommt. Den Adapter, den ich für mein Handy brauche, bestelle ich gleich mit – unnötig dafür extra loszugehen und außerdem gibt es ihn bei Amazon mit Abstand am günstigsten.

Damit meine Bequemlichkeit es in Zukunft schwerer hat, habe ich mir noch einmal vor Augen geführt, welche Welt ich durch jede Amazon-Bestellung mitfinanziere: 

Höher, Weiter, Schneller

Es ist kein halbes Jahr her, da saßen wir alle zuhause und sehnten uns schmerzlich danach, dass es wieder Leben auf den Straßen, in den Restaurant und Cafés geben würde. Die Vorstellung, sich auf ein Glas Wein in einer Bar zu treffen, schien so weit weg, als wäre es etwas Besonderes, einen unbeschwerten Abend mit Freund*innen verbringen zu dürfen. In der Zeit des Lockdowns haben viele realisiert, dass es genau das ist – Besonders. Ich habe mir damals vorgenommen, dankbar für jeden Café-Besuch, jeden Ausflug und jede noch so kleine WG-Party zu sein, sobald das alles wieder möglich wäre.