Vor(schnelle) Urteile

Ich habe Vorurteile. Ja, richtig gelesen.
Und das, obwohl ich viele meiner Texte schreibe, um Statements gegen Rassismus oder Sexismus zu setzen. Um Vorurteile zu überholen.Wie es sein kann, dass ich trotzdem Vorurteile habe?

Meine letzte Reise hat mich nach Marokko geführt. Ich war schon öfters außerhalb von Europa, doch es war das erste Mal, dass ich in einem arabischen Land unterwegs war. Da der Trip relativ spontan war, habe ich mir wenig Gedanken darüber gemacht, was mich erwarten würde. Wenn ich Freund*innen und Familienmitgliedern erzählte, dass ich nach Marokko reisen würde, hörte ich Sätze wie

„Mit dir als Frau wird niemand sprechen. Stell dich schon einmal darauf ein, dass dein Freund gefragt wird, was du essen möchtest.“

Wem du in jedem Hostel begegnest

Ich war endlich wieder allein reisen. Eine Woche lang im alternativ angehauchten Yoga-Surf-Camp auf Teneriffa. Damit ist schon vorweggenommen, dass ich nicht wirklich allein war: Ich habe viele dieser interessanten Menschen getroffen, die man beim Reisen halt so trifft.

Mehr oder weniger allein auf Reisen – das ist dieses Lebensgefühl von alternativ-sein, „anders als die Anderen“. Doch so unterschiedlich jeder „Weg zu sich selbst“ aussieht, es gibt Typen von Alleinreisenden, die ich bisher in jedem Hostel getroffen habe:

Drahtfiguren haben warme Augen

Während ich überlege, welche großen besonderen Aufeinandertreffen es in meinem Leben bisher gab, drehe ich eine Runde um den Block, in der Hoffnung mich an einen solchen Moment zu erinnern. Die meisten Menschen, denen ich begegne, schauen mich nicht einmal an. Ab und zu hebt doch jemand den gestressten Blick und ich blicke in leere, kühle Augen. Plötzlich taucht ein anderes Paar Augen in meiner Erinnerung auf. Warme Augen.