Quality Time

„Wenn ich meine Termine nicht nach seinem Kalender richten würde, würden wir uns gar nicht mehr sehen“, beschwerte sich letzte Woche eine Arbeitskollegin bei mir. Ihr Freund sei momentan so in seine Arbeit vertieft sei, dass die gemeinsame Zeit viel zu kurz kommen würde. „Und gleichzeitig fühle ich mich total anhänglich, wenn ich ihn bitte, sich mehr Zeit zu nehmen. Als würde ich klammern.“

Kommt euch bekannt vor? Mir schon: In meinem Freundeskreis, in meinen eigenen Beziehungen und in Büchern ist mir die dahinterliegende Frage schon häufig begegnet: Warum haben Er und Sie* oft unterschiedliche Vorstellungen davon, wie viel Quality Time zu zweit eine glückliche Beziehung braucht?

Starke unabhängige Stadtfrauen

Vor ziemlich genau zwei Jahren sind Alex und ich zusammengezogen. Ein Umzug gehört zu diesen Momenten, an denen Menschen gerne sagen „Ab jetzt wird alles anders“. Neue Wohnung, neues Ich. Wir haben uns damals gesagt „Wir werden jetzt starke, unabhängige Stadtfrauen“. Das war natürlich kein allzu ernst gemeinter Vorsatz, sondern eher ein kleiner Insider-Joke zweier bester Freundinnen. Dennoch war es das Motto unserer ersten Monate in der neuen WG: Die eine hatte sich gerade von ihrer Jugendliebe getrennt und wollte nun wissen, wie es sich als Single in der Großstadt so lebt. Die andere hatte die Suche nach Mr. The-One-and-Only aufgegeben und Geschmack an lockeren, unverbindlichen Dates gefunden. Tinder. Urlaubsaffären. Bloß nichts Festes. Unabhängig waren wir in diesem Sommer.