El Arte no se valora

Ich bin für eine Weile in Costa Rica und helfe hier in einem Zirkusprojekt. Wieso, weshalb, warum ist für die allermeisten wohl weniger interessant, deswegen skippe ich diesen Part und komme direkt zum Thema dieser Kolumne: Kunst. 

Während ich in meiner Bubble zuhause vor allem mit Menschen zu tun habe, die studieren oder in einem Ausbildungsberuf arbeiten, bin ich hier täglich umgeben von Künstler*innen:

Mono, der wenn die Ampel auf Rot springt, mit seinem Einrad und seinen Jonglage-Keulen in die Mitte der Kreuzung tänzelt und sich damit ein paar Colones verdient. …

Chaos

Manchmal fühlt sich mein Leben an, als würde ich beim Autofahren die Augen zumachen und einfach hoffen, dass ich keinen größeren Unfall baue. 

Manchmal wäre ich gerne einer dieser gut sortierten, geordneten Menschen, bei denen Pläne so laufen, wie sie mal gedacht waren. Die Tage eine Struktur haben und die Wohnungen aufgeräumt sind. Bei denen alles seinen Platz hat. Einer dieser Menschen, die ihre To Do Listen nicht nur schreiben, sondern tatsächlich abarbeiten.

Weltschmerz

Die letzten Wochen waren wieder heftig. Genau genommen passieren ja leider jede Woche unglaublich schreckliche Dinge weltweit, doch ab und zu ergreifen uns die Geschehnisse eben besonders. Dann gehen Bilder um die Welt und das Schicksal betroffener Menschen geht uns nah. Da gucken wir Nachrichten, fühlen uns hilflos, weinen vielleicht. Da sind wir verständnislos dafür, wie wir in unserer heilen Bubble nahezu ungestört leben können, wenn außerhalb alles zerfällt.

Höher, Weiter, Schneller

Es ist kein halbes Jahr her, da saßen wir alle zuhause und sehnten uns schmerzlich danach, dass es wieder Leben auf den Straßen, in den Restaurant und Cafés geben würde. Die Vorstellung, sich auf ein Glas Wein in einer Bar zu treffen, schien so weit weg, als wäre es etwas Besonderes, einen unbeschwerten Abend mit Freund*innen verbringen zu dürfen. In der Zeit des Lockdowns haben viele realisiert, dass es genau das ist – Besonders. Ich habe mir damals vorgenommen, dankbar für jeden Café-Besuch, jeden Ausflug und jede noch so kleine WG-Party zu sein, sobald das alles wieder möglich wäre.

Kreativ mit Anlauf

Im letzten Monat habe ich nicht geschrieben. Nicht auf diesem Blog, nicht in mein Tagebuch. Keine Gedanken, keine Zitate, keine Ideen.
Es gab kein dramatisches Ereignis in meinem Leben, das diese kleine Blockade hervorgerufen hat. Doch ich merke grade mehr als zuvor, wie sehr der Alltag meine Kreativität einschränkt. Ich habe nicht aufgepasst und keinen Raum gelassen für all die Worte, die zu Papier gebracht werden wollen. Hatte keine Lust, mich hinzusetzen und noch in die Tasten zu hauen. Es kam mir so vor, als müsste ich zu viel Energie dazu aufwenden, um zu schreiben. Ich war antriebslos und habe es deshalb einfach sein gelassen.

Tschüss Opa

Ab dem Tag, an dem wir auf diese Welt geboren werden, bewegen wir uns auf den Tag zu, an dem wir sie wieder verlassen müssen. Zunächst mit kleinen, vorsichtigen Babyschritten, später mit mutigem, zielstrebigem Schritt und schließlich auf gebrechlichen, wackeligen Beinen. Bereits wenn wir unsere Geburtsurkunde erhalten, ist auf der Rückseite – symbolisch gesprochen – die Sterbeurkunde. Doch wird der Tod zumindest im alltäglichen Leben der westlichen Welt kaum thematisiert. Wir blenden unsere Sterblichkeit so gut es geht aus – bis wir ihr nicht mehr ausweichen können. 

Support von Außen

Pride Month ist vorbei und mein Nachbar von Gegenüber hat allen Ernstes die Regenbogenfahne an seinem Balkon wieder gegen die seines Lieblingsfußballvereins eingetauscht. Naja, das war immer noch besser als nichts, denke ich mir.

Ich bin eine weiße, heterosexuelle Cis-Frau aus einem finanziell stabilen Akademiker*innen-Haushalt. Keine Einschränkungen. Keine Erkrankungen. Die Liste meiner Privilegien zieht sich vielleicht nicht ins Unendliche, aber die paar Steine auf meinem Weg sind definitiv eher Kiesel als Felsen.

Pause machen

Ich bin im Urlaub. Zum ersten Mal seit dem viel zu langen Corona-Winter habe ich mit gepacktem Rucksack eine Grenze überquert. Und dabei gemerkt, wie wichtig es doch ist: Abstand zu nehmen. Pause zu machen.

Anti-Produktivitätswahn

Im ersten Lockdown gingen gefühlt gleichzeitig mit den Corona-Fällen die Anzahl der Motivations-Posts in die Höhe. „Jetzt hast du die Zeit, deine Projekte zu verwirklichen und all das zu tun, was du vorher nie geschafft hast.“ Blabla. Ah okay, das war jetzt das Jahr, in dem ich mich verwirklichen sollte? Schade, hat leider nicht so wirklich funktioniert. Der Roman, den ich seitdem schreiben will, ist noch nicht länger als eine Seite. Der Produktivitätswahn hat bei mir nichts anderes ausgelöst als Druck.