Quality Time

„Wenn ich meine Termine nicht nach seinem Kalender richten würde, würden wir uns gar nicht mehr sehen“, beschwerte sich letzte Woche eine Arbeitskollegin bei mir. Ihr Freund sei momentan so in seine Arbeit vertieft sei, dass die gemeinsame Zeit viel zu kurz kommen würde. „Und gleichzeitig fühle ich mich total anhänglich, wenn ich ihn bitte, sich mehr Zeit zu nehmen. Als würde ich klammern.“

Kommt euch bekannt vor? Mir schon: In meinem Freundeskreis, in meinen eigenen Beziehungen und in Büchern ist mir die dahinterliegende Frage schon häufig begegnet: Warum haben Er und Sie* oft unterschiedliche Vorstellungen davon, wie viel Quality Time zu zweit eine glückliche Beziehung braucht?

Niemand steht auf Arschlöcher

„Ich suche mir immer Typen, die sich wie Arschlöcher verhalten.“ Erst neulich habe ich mit einer Freundin wieder ewig lange Sprachnachrichten ausgetauscht, weil sie frustriert von ihrem eigenen Männer-Geschmack war. Flirten, Aufmerksamkeit und Komplimente entgegengebracht bekommen – bis Frau sich traut, echtes Interesse zu zeigen. Plötzlich wie ein altes, abgenutztes Spielzeug mit Missachtung gestraft werden. Dann Selbstzweifel und auf Nachrichten von ihm warten. Hier und da mal wieder ein Häppchen Zuwendung zugeworfen bekommen, damit Frau das Interesse nicht verliert, ihm weiter hinterherrennt und er sich bestätigt fühlt. Arschloch! 

Weltschmerz

Die letzten Wochen waren wieder heftig. Genau genommen passieren ja leider jede Woche unglaublich schreckliche Dinge weltweit, doch ab und zu ergreifen uns die Geschehnisse eben besonders. Dann gehen Bilder um die Welt und das Schicksal betroffener Menschen geht uns nah. Da gucken wir Nachrichten, fühlen uns hilflos, weinen vielleicht. Da sind wir verständnislos dafür, wie wir in unserer heilen Bubble nahezu ungestört leben können, wenn außerhalb alles zerfällt.

Kreativ mit Anlauf

Im letzten Monat habe ich nicht geschrieben. Nicht auf diesem Blog, nicht in mein Tagebuch. Keine Gedanken, keine Zitate, keine Ideen.
Es gab kein dramatisches Ereignis in meinem Leben, das diese kleine Blockade hervorgerufen hat. Doch ich merke grade mehr als zuvor, wie sehr der Alltag meine Kreativität einschränkt. Ich habe nicht aufgepasst und keinen Raum gelassen für all die Worte, die zu Papier gebracht werden wollen. Hatte keine Lust, mich hinzusetzen und noch in die Tasten zu hauen. Es kam mir so vor, als müsste ich zu viel Energie dazu aufwenden, um zu schreiben. Ich war antriebslos und habe es deshalb einfach sein gelassen.

Support von Außen

Pride Month ist vorbei und mein Nachbar von Gegenüber hat allen Ernstes die Regenbogenfahne an seinem Balkon wieder gegen die seines Lieblingsfußballvereins eingetauscht. Naja, das war immer noch besser als nichts, denke ich mir.

Ich bin eine weiße, heterosexuelle Cis-Frau aus einem finanziell stabilen Akademiker*innen-Haushalt. Keine Einschränkungen. Keine Erkrankungen. Die Liste meiner Privilegien zieht sich vielleicht nicht ins Unendliche, aber die paar Steine auf meinem Weg sind definitiv eher Kiesel als Felsen.

Pause machen

Ich bin im Urlaub. Zum ersten Mal seit dem viel zu langen Corona-Winter habe ich mit gepacktem Rucksack eine Grenze überquert. Und dabei gemerkt, wie wichtig es doch ist: Abstand zu nehmen. Pause zu machen.

Zeit zu beichten

Mit einer Sünde ist zwar ursprünglich eine Handlung gemeint, mit der man gegen ein religiöses Gebot verstößt, doch wir haben den Begriff auch in unsere Alltagssprache übernommen. „Es ist eigentlich eine Sünde, Fast Fashion zu kaufen“, aber trotzdem laufen wir glücklich mit vollen Tüten aus Läden, deren Name aus zwei Buchstaben und einem & besteht. Obwohl ich weiß, dass Menschen unter den grauenvollsten Arbeitsbedingungen für einen Hungerlohn mein neues Shirt genäht haben, konnte ich nicht widerstehen. Ich hatte schließlich noch keins in dem Farbton. Was bleibt, ist das schlechte Gewissen.

Menschen haben seit Anbeginn der Zeit gelogen, betrogen, gestohlen. Doch ich glaube, wir sündigen heute so viel wie nie zuvor.

Kissenschlacht in Unterwäsche

s nicht? Du erzählst einem Freund oder auch nur einem beliebigen männlichen Wesen davon, dass am Wochenende Mädelsabend angesagt ist. Und er reagiert mit einem anzüglichen: „Uh, schick mir Fotos, wenn ihr ‘ne Kissenschlacht in Unterwäsche macht.“ Sexismus hin oder her – ich schmunzele bei derlei Aussagen jedes Mal, weil ich weiß, wie weit die Nächte mit meinen Girls von fliegenden Federn und Spitzenunterwäsche entfernt sind. Deswegen folgt hier möglicherweise eine kleine Desillusionierung.

Anti-Produktivitätswahn

Im ersten Lockdown gingen gefühlt gleichzeitig mit den Corona-Fällen die Anzahl der Motivations-Posts in die Höhe. „Jetzt hast du die Zeit, deine Projekte zu verwirklichen und all das zu tun, was du vorher nie geschafft hast.“ Blabla. Ah okay, das war jetzt das Jahr, in dem ich mich verwirklichen sollte? Schade, hat leider nicht so wirklich funktioniert. Der Roman, den ich seitdem schreiben will, ist noch nicht länger als eine Seite. Der Produktivitätswahn hat bei mir nichts anderes ausgelöst als Druck.

Talk Dirty to Me

„Dreckige Schlampe. Billiges Flittchen.” Niemals würde ich so respektlos mit mir reden lassen. Respekt ist für mich das A&O in Beziehungen. In Freundschaften. Beim Sex. Vielleicht weil eine gesunde Selbstachtung meines Erachtens damit einhergeht, dass man auch von seinen Mitmenschen erwartet, mit Respekt behandelt zu werden. Allerdings mit einer Ausnahme. Es gibt Momente, in denen Respektlosigkeit verführerisch ist. Wehrlosigkeit erotisch.

Ich rede von kleinen Machtspielchen beim Sex. Manchmal habe ich mich danach schlecht gefühlt. Ich habe mich gefragt, ob mein Respekt vor mir selbst, vielleicht doch nicht so groß ist, wie ich immer dachte. Selbstliebe und Erniedrigung?! Emanzipiert sein und in die unterwürfige Rolle schlüpfen?! Wie geht das zusammen?