La Pura Vida

Das Leben einfach fließen lassen und den Dingen nachgehen die im Alltag auf der Strecke bleiben. Yoga, Meditation, Kunst, Bücher lesen, Me-Time und Quality-Time mit meinem Partner. So stellte ich es mir vor. „Das pure Leben“. Seit Anfang des Jahres träumten mein Freund und ich davon, gemeinsam auf große Europareise zu gehen. Um genau zu sein – zu fahren, denn wir beide steckten eine Menge Zeit, Liebe und Energie in einen Mercedes Sprinter und ackerten uns ein halbes Jahr lang den Arsch wund, um im Sommer das beliebt gewordene „VANLIFE“ leben zu können. Dabei bewegten wir uns zwischen euphorisierenden Erfolgserlebnissen und niederschmetternden Rückschlägen. Die Zeit war geprägt von Tränen der Freude und manchmal auch von Tränen der Überforderung. Im Juli war es dann endlich soweit. Aus einem Sprinter wurde ein Zuhause. Wir ließen Familie, Freund*innen und Routinen hinter uns und stürzten uns ins Abenteuer. 

Weltschmerz

Die letzten Wochen waren wieder heftig. Genau genommen passieren ja leider jede Woche unglaublich schreckliche Dinge weltweit, doch ab und zu ergreifen uns die Geschehnisse eben besonders. Dann gehen Bilder um die Welt und das Schicksal betroffener Menschen geht uns nah. Da gucken wir Nachrichten, fühlen uns hilflos, weinen vielleicht. Da sind wir verständnislos dafür, wie wir in unserer heilen Bubble nahezu ungestört leben können, wenn außerhalb alles zerfällt.

Kreativ mit Anlauf

Im letzten Monat habe ich nicht geschrieben. Nicht auf diesem Blog, nicht in mein Tagebuch. Keine Gedanken, keine Zitate, keine Ideen.
Es gab kein dramatisches Ereignis in meinem Leben, das diese kleine Blockade hervorgerufen hat. Doch ich merke grade mehr als zuvor, wie sehr der Alltag meine Kreativität einschränkt. Ich habe nicht aufgepasst und keinen Raum gelassen für all die Worte, die zu Papier gebracht werden wollen. Hatte keine Lust, mich hinzusetzen und noch in die Tasten zu hauen. Es kam mir so vor, als müsste ich zu viel Energie dazu aufwenden, um zu schreiben. Ich war antriebslos und habe es deshalb einfach sein gelassen.

Support von Außen

Pride Month ist vorbei und mein Nachbar von Gegenüber hat allen Ernstes die Regenbogenfahne an seinem Balkon wieder gegen die seines Lieblingsfußballvereins eingetauscht. Naja, das war immer noch besser als nichts, denke ich mir.

Ich bin eine weiße, heterosexuelle Cis-Frau aus einem finanziell stabilen Akademiker*innen-Haushalt. Keine Einschränkungen. Keine Erkrankungen. Die Liste meiner Privilegien zieht sich vielleicht nicht ins Unendliche, aber die paar Steine auf meinem Weg sind definitiv eher Kiesel als Felsen.

Pause machen

Ich bin im Urlaub. Zum ersten Mal seit dem viel zu langen Corona-Winter habe ich mit gepacktem Rucksack eine Grenze überquert. Und dabei gemerkt, wie wichtig es doch ist: Abstand zu nehmen. Pause zu machen.

Anti-Produktivitätswahn

Im ersten Lockdown gingen gefühlt gleichzeitig mit den Corona-Fällen die Anzahl der Motivations-Posts in die Höhe. „Jetzt hast du die Zeit, deine Projekte zu verwirklichen und all das zu tun, was du vorher nie geschafft hast.“ Blabla. Ah okay, das war jetzt das Jahr, in dem ich mich verwirklichen sollte? Schade, hat leider nicht so wirklich funktioniert. Der Roman, den ich seitdem schreiben will, ist noch nicht länger als eine Seite. Der Produktivitätswahn hat bei mir nichts anderes ausgelöst als Druck.

Drahtfiguren haben warme Augen

Während ich überlege, welche großen besonderen Aufeinandertreffen es in meinem Leben bisher gab, drehe ich eine Runde um den Block, in der Hoffnung mich an einen solchen Moment zu erinnern. Die meisten Menschen, denen ich begegne, schauen mich nicht einmal an. Ab und zu hebt doch jemand den gestressten Blick und ich blicke in leere, kühle Augen. Plötzlich taucht ein anderes Paar Augen in meiner Erinnerung auf. Warme Augen.