Kreativ mit Anlauf

Im letzten Monat habe ich nicht geschrieben. Nicht auf diesem Blog, nicht in mein Tagebuch. Keine Gedanken, keine Zitate, keine Ideen.
Es gab kein dramatisches Ereignis in meinem Leben, das diese kleine Blockade hervorgerufen hat. Doch ich merke grade mehr als zuvor, wie sehr der Alltag meine Kreativität einschränkt. Ich habe nicht aufgepasst und keinen Raum gelassen für all die Worte, die zu Papier gebracht werden wollen. Hatte keine Lust, mich hinzusetzen und noch in die Tasten zu hauen. Es kam mir so vor, als müsste ich zu viel Energie dazu aufwenden, um zu schreiben. Ich war antriebslos und habe es deshalb einfach sein gelassen.

Anti-Produktivitätswahn

Im ersten Lockdown gingen gefühlt gleichzeitig mit den Corona-Fällen die Anzahl der Motivations-Posts in die Höhe. „Jetzt hast du die Zeit, deine Projekte zu verwirklichen und all das zu tun, was du vorher nie geschafft hast.“ Blabla. Ah okay, das war jetzt das Jahr, in dem ich mich verwirklichen sollte? Schade, hat leider nicht so wirklich funktioniert. Der Roman, den ich seitdem schreiben will, ist noch nicht länger als eine Seite. Der Produktivitätswahn hat bei mir nichts anderes ausgelöst als Druck.

Schmale Auswahl

Der mit Abstand anspruchsloseste Job, in dem ich je gearbeitet habe, war als Passform-Model. Knappe 3 Wochen lang wurden an meinem Körper Schnitte einzelner Kleidungsstücke der Größe 36 angepasst, während ich dafür bezahlt wurde, dazustehen und meine Arme von mir zu strecken. Nach einiger Zeit wunderte ich mich, wann denn die Passform-Models für alle anderen Größen kommen würden. Sie kamen nicht. Es gab sie gar nicht. „36 ist die Norm und alles darüber machen wir eben größer. Da wird nix angepasst“, sagte eine Kollegin.